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Tania Azzini

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Angehörige

«Ich kämpfe dafür, dass Angehörige mehr Zeit mit den Betroffenen verbringen dürfen.»

Interview mit Tania Azzini, Tochter eines Lungenkrebsbetroffenen und Mitglied im Angehörigenrat von «Leben mit Lungenkrebs»

Liebe Tania, stell dich gerne kurz vor. 

Mein Name ist Tania Azzini, ich bin 48 Jahre alt und lebe in Winterthur. In meiner Freizeit treffe ich mich gerne mit Freundinnen, gehe joggen und wenn immer möglich auf Reisen. Ich bin ein sehr sozialer und geselliger Mensch. Das habe ich von meinen Eltern, die aus Italien in die Schweiz eingewandert sind. Das Zusammensein und die Gespräche bei  gutem Essen - am Besten mit Gemüse aus dem eigenen Garten - war für sie immer sehr wichtig. Diese Werte haben sie auch mir und meiner Schwester weitergegeben. Leider bleibt ein Platz am Esstisch seit mehr als 11 Jahren leer. 

Dein Vater ist 2011 an Lungenkrebs erkrankt. Kannst du uns davon erzählen? 

Es war im Frühling 2011, wir hatten gerade erst Vatertag gefeiert, als mein Papa einen Knoten hinter seinem Ohr entdeckte. Als der Knoten aber weiter wuchs, wurde er schlussendlich doch entfernt und das Gewebe untersucht. Aus dem Labor kam dann die schlimme Nachricht: Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium und Hautkrebs. Ein MRI bestätigte die Untersuchung. Weil mein Vater zunehmend Schmerzen hatte, startete er mit einer Chemotherapie, die die Schmerzen lindern sollte. Nach dem ersten Chemozyklus ging es tatsächlich aufwärts, er war fit und konnte sogar mit unserer Mutter in die Ferien verreisen.

Nach dem zweiten Chemozyklus stürzte mein Vater unglücklich und brach sich den Oberschenkelknochen. Obwohl eine Operation unumgänglich war, weigerte er sich lange, ins Spital zu gehen. Vielleicht hat er gespürt, dass er nicht mehr viel Zeit hatte und wollte so lange wie möglich zu Hause bleiben. Er wurde dann operiert, ist aber 10 Tage nach der Operation an einer Lungenembolie verstorben. Er wurde 79 Jahre alt. 

Wie hast du die Zeit während der Lungenkrebserkrankung deines Vaters erlebt? 

Nach der Pensionierung sind meine Eltern und ich zurück nach Italien gezogen. Ich bin dann im 2009 wieder zurück in die Schweiz. Als die Diagnose kam, war es für mich undenkbar, einfach hier zu bleiben und meine Eltern alleine zu lassen. Zum Glück war mein damaliger Arbeitgeber flexibel und ich konnte unbezahlten Urlaub nehmen und mich vor Ort um sie kümmern. 

Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, habe ich schöne und weniger schöne Erinnerungen. Unser Familienzusammenhalt war unglaublich. Obwohl wir uns vorher schon sehr nahe waren, hat uns diese Erfahrung nochmals näher zusammengebracht. Das ist das Schönste, was ich aus dieser Zeit mitnehme. 

Aber es war auch eine sehr anstrengende Zeit. Arzttermine, Haushalt, Betreuung – meine Schwester und ich waren ständig mit etwas beschäftigt. Gegen das Ende habe ich sogar im Spital geschlafen, auf dem Stuhl neben dem Bett meines Vaters. Zeit für mich selbst hatte ich keine. Rückblickend wäre das sicher wichtig gewesen, auch um mit den psychologischen Belastungen besser umzugehen. Aber damals konnte ich das nicht. Je mehr Zeit ich mir für mich selber genommen hätte, desto weniger hätte ich ja für meinen Papa gehabt. Eine Freundin von mir hat das erkannt. Sie hat mir dann immer kleine Dinge geschickt – eine Creme, einen Nagellack oder ähnliches. Und dazu geschrieben, dass ich mir die Zeit nehmen und zu mir schauen soll. Das hat mir sehr geholfen. 

Was möchtest du anderen Angehörigen mit auf den Weg geben? 

Ich finde es sehr wichtig, dass sich Angehörige Zeit für ihre Lieben nehmen können. Wenn jemand Kinder hat und diese krank werden, ist es keine Frage, ob man frei nehmen kann. Wenn es um die Eltern oder andere Angehörige geht, ist es oft nicht ganz so einfach. Aber die Zeit kommt vielleicht nie mehr zurück. Deshalb kämpfe ich dafür, dass Angehörige mehr Zeit mit den Betroffenen verbringen dürfen und hoffe, dass irgendwann das System das anerkennt, dass wir Angehörige Unterstützung benötigen.

Angehörigen rate ich auch, die gemeinsamen Momente wirklich zu geniessen. Oft macht man sich zu viele Gedanken darüber, wie viel Zeit einem noch bleibt und was noch alles auf einem zukommt. Das muss man unbedingt ausblenden und die Zeit bewusst geniessen. 

Du bist im Angehörigenrat von «Leben mit Lungenkrebs». Was ist deine Motivation, dich im Verein zu engagieren? 

Früher gab es keine Patientenorganisationen, an die man sich wenden konnte, wenn man Fragen hatte. Und auch im Internet hat man nicht viele Informationen zu Lungenkrebs gefunden. Ich habe mich darum auch oft alleine gefühlt mit diesem Schicksal. Heute möchte ich anderen Angehörigen helfen, besser durch diese Zeit zu kommen als ich damals. Wenn sie Fragen haben, sollen sie einen Ort haben, wo sie anrufen können oder Informationen finden. Und wenn sie das Bedürfnis haben, sich in einer Gruppe mit anderen Lungenkrebs-Betroffenen auszutauschen, dann sollte diese Möglichkeit bestehen. Denn wenn man nicht über Krebs spricht, ist man immer alleine damit. Aber je mehr Leute man hat, die mit einem durch so eine Zeit hindurchgehen, desto einfacher ist es. 

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