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Strahlentherapie bei Lungenkrebs

Bei der Strahlentherapie werden Tumoren oder Krebszellen mit energiereichen Strahlen behandelt.

Viele Menschen verbinden Strahlentherapie zunächst mit Unsicherheit oder Angst. Tatsächlich gehört sie heute zu den präzisesten und wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten bei Lungenkrebs. Je nach Situation kann sie heilen, das Tumorwachstum kontrollieren oder Beschwerden wirksam lindern. Ziel ist es, Krebszellen so zu schädigen, dass sie sich nicht weiter teilen können und absterben.

Eine Bestrahlung macht Sie nicht radioaktiv. Nach einer externen Strahlentherapie können Sie ohne Einschränkungen Zeit mit Ihrer Familie, Ihren Kindern oder Enkeln verbringen.

Warum Strahlentherapie bei Lungenkrebs wichtig ist

Die Strahlentherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Lungenkrebs. Sie kann in unterschiedlichen Situationen eingesetzt werden: mit dem Ziel einer Heilung, zur Kontrolle eines Tumors oder zur Linderung von Beschwerden.

Welche Rolle sie im Einzelfall spielt, hängt unter anderem von der Art des Lungenkrebses, dem Stadium, der Lage des Tumors, dem Allgemeinzustand, der Lungenfunktion und den weiteren Behandlungsmöglichkeiten ab. Deshalb wird die Strahlentherapie meist im Rahmen eines Gesamtplans besprochen, zum Beispiel zusammen mit Operation, Chemotherapie, Immuntherapie oder zielgerichteter Therapie.

Wichtig ist: Strahlentherapie ist nicht einfach eine einzelne Standardbehandlung. Sie wird heute sehr individuell geplant.

Strahlentherapie erklärt

Bei der Strahlentherapie, auch Radiotherapie oder Strahlenbehandlung genannt, werden Tumoren mit energiereichen Strahlen behandelt. Es handelt sich um eine lokale Behandlung. Das bedeutet: Die Wirkung entsteht vor allem dort, wo die Strahlen auf das Gewebe treffen. Man sieht und spürt die Strahlen während der Behandlung nicht. Die Bestrahlung selbst ist schmerzlos.

Krebszellen reagieren empfindlich auf Strahlung, weil ihre Erbinformation geschädigt wird. Dadurch können sie sich nicht mehr richtig teilen. Gesunde Zellen können sich häufig besser erholen als Krebszellen. Trotzdem kann auch gesundes Gewebe mitbetroffen sein. Deshalb ist eine genaue Planung so wichtig.

Im Vergleich zu früher ist die Strahlentherapie deutlich präziser geworden. Moderne Geräte und Planungsverfahren ermöglichen es, die Strahlendosis möglichst genau auf den Tumor zu richten und umliegende Organe wie gesunde Lunge, Herz, Speiseröhre oder Rückenmark so gut wie möglich zu schonen.

Wie die Behandlung geplant wird

Vor Beginn der Behandlung wird eine sogenannte Planungs-Computertomographie (Planungs-CT) durchgeführt. Dabei wird genau festgelegt, in welcher Position die Patientin oder der Patient behandelt wird. Häufig werden Lagerungshilfen verwendet, damit die Position bei jeder Sitzung möglichst gleich ist.

Moderne Bestrahlungsplanung berücksichtigt nicht nur den Tumor, sondern auch empfindliche Organe wie Herz, Speiseröhre, Rückenmark und die gesunde Lunge. Ziel ist es, möglichst viel Tumor und möglichst wenig gesundes Gewebe zu bestrahlen.

Bei Lungenkrebs ist zusätzlich wichtig, dass sich Tumoren durch die Atmung bewegen können. Deshalb können spezielle Verfahren eingesetzt werden, zum Beispiel eine 4D-CT oder andere Methoden zur Berücksichtigung der Atembewegung. Bei jeder Bestrahlung wird die Lage mit Kontrollaufnahmen überprüft. Man spricht auch von bildgeführter Strahlentherapie.

Anschliessend erstellt das Behandlungsteam einen individuellen Bestrahlungsplan. Daran beteiligt sind Radioonkologinnen und Radioonkologen, Medizinphysik, Radiologiefachpersonen und weitere Fachpersonen.

Ablauf einer Strahlentherapie

Die Behandlung findet in einer radioonkologischen Klinik statt und wird in der Regel ambulant durchgeführt. Eine Narkose ist normalerweise nicht nötig. Die einzelne Bestrahlung dauert meist nur wenige Minuten. Mit Vorbereitung, Lagerung und Kontrolle sollte man pro Termin aber etwas mehr Zeit einplanen.

Die Anzahl der Sitzungen hängt vom Ziel der Behandlung und von der Art der Bestrahlung ab. Manche Behandlungen erfolgen in wenigen Sitzungen. Andere dauern mehrere Wochen mit Bestrahlungen an mehreren Wochentagen.

Wann Strahlentherapie eingesetzt wird

Strahlentherapie kann je nach Situation eine Alternative zur Operation, eine Ergänzung anderer Behandlungen oder die wichtigste Behandlung überhaupt sein:

  • als alleinige Behandlung, zum Beispiel wenn eine Operation nicht möglich ist
  • als stereotaktische Strahlentherapie bei kleinen, lokal begrenzten Tumoren
  • vor oder nach einer Operation in ausgewählten Situationen
  • zusammen mit einer Chemotherapie als Radiochemotherapie
  • vor oder nach einer Systemtherapie, zum Beispiel Immuntherapie oder zielgerichteter Therapie, je nach Situation
  • zur Behandlung einzelner Metastasen, zum Beispiel im Gehirn, in Knochen oder anderen Organen
  • zur Linderung von Beschwerden, zum Beispiel bei Schmerzen, Atemnot, Blutungen oder Druck auf umliegende Strukturen

Stereotaktische Strahlentherapie

Bei der stereotaktischen Strahlentherapie, oft auch SBRT oder SABR genannt, wird eine hohe Strahlendosis sehr präzise auf einen kleinen Tumorbereich gerichtet. Die Behandlung erfolgt meist in wenigen Sitzungen.

Diese Form der Strahlentherapie ist besonders wichtig bei frühen, lokal begrenzten Lungentumoren, wenn eine Operation nicht möglich oder für die betroffene Person zu belastend wäre. Sie kann auch bei einzelnen Metastasen oder bei einer sogenannten oligometastatischen Situation eingesetzt werden. Damit ist gemeint, dass nur wenige Tumorherde vorhanden sind und diese gezielt behandelt werden können.

Ob eine stereotaktische Behandlung geeignet ist, hängt unter anderem von Grösse, Lage und Nähe zu empfindlichen Organen ab.

Radiochemotherapie und Stadium III

Bei lokal fortgeschrittenem Lungenkrebs, insbesondere wenn Lymphknoten im Brustkorb betroffen sind und eine Operation nicht möglich ist, kann eine Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie eingesetzt werden. Diese Behandlung nennt man Radiochemotherapie.

Sie ist oft anstrengender als eine einzelne Behandlung, kann aber die Chance verbessern, den Tumor zu kontrollieren. Nach einer Radiochemotherapie wird heute je nach Tumorart, molekularen Eigenschaften und allgemeiner Situation geprüft, ob eine anschliessende Systemtherapie sinnvoll ist. Dazu können zum Beispiel Immuntherapien oder in bestimmten Situationen zielgerichtete Therapien gehören. Diese Entscheidung gehört in ein spezialisiertes Behandlungsteam und sollte verständlich mit den Betroffenen besprochen werden.

Strahlentherapie bei kleinzelligem Lungenkrebs

Auch beim kleinzelligen Lungenkrebs spielt die Strahlentherapie eine wichtige Rolle. Bei begrenzter Erkrankung wird sie häufig zusammen mit Chemotherapie eingesetzt. In bestimmten Situationen wird auch eine prophylaktische Bestrahlung des Gehirns besprochen; je nach persönlicher Situation kann eine engmaschige MRI-Kontrolle eine Alternative sein. Auch der Zeitpunkt der Bestrahlung spielt eine wichtige Rolle und wird individuell festgelegt.

Da kleinzelliger Lungenkrebs sich biologisch anders verhält als nicht-kleinzelliger Lungenkrebs, sollte die genaue Strategie immer individuell und im Tumorboard besprochen werden.

Palliative Strahlentherapie

Palliative Strahlentherapie bedeutet nicht, dass nichts mehr getan werden kann. Im Gegenteil: Sie kann Beschwerden oft rasch lindern und die Lebensqualität deutlich verbessern.  Sie kann zum Beispiel eingesetzt werden bei schmerzhaften Knochenmetastasen, Metastasen im Gehirn, Blutungen, Druck auf Nerven oder Atemwege oder bei anderen belastenden Symptomen.

Bei Hirnmetastasen wird heute, wenn möglich, gezielt bestrahlt. Bei einzelnen oder wenigen Metastasen kommt häufig eine stereotaktische Bestrahlung infrage. Eine Ganzhirnbestrahlung wird heute sorgfältiger abgewogen, weil mögliche Auswirkungen auf Konzentration, Gedächtnis und Lebensqualität berücksichtigt werden müssen.

Strahlentherapie und Immuntherapie

Strahlentherapie wirkt lokal. Trotzdem kann sie auch das Immunsystem beeinflussen, weil durch die Behandlung Tumorzellbestandteile freigesetzt werden. Dadurch kann der Tumor für das Immunsystem besser erkennbar werden.

Das Zusammenspiel von Strahlentherapie und Immuntherapie ist deshalb ein wichtiges Forschungs- und Behandlungsfeld. In bestimmten Situationen ist eine Immuntherapie nach Radiochemotherapie bereits Teil moderner Behandlungskonzepte. Gleichzeitig können sich Nebenwirkungen überschneiden, zum Beispiel Entzündungen der Lunge. Deshalb ist eine gute Abstimmung im Behandlungsteam wichtig.

Mögliche Nebenwirkungen

Trotz präziser Planung kann auch gesundes Gewebe mitbetroffen sein. Nebenwirkungen hängen stark davon ab, welche Region bestrahlt wird, wie gross das Bestrahlungsfeld ist, welche Dosis eingesetzt wird und ob gleichzeitig weitere Therapien gegeben werden. Im Gegensatz zu einer Chemotherapie verursacht eine Bestrahlung der Lunge normalerweise weder Haarausfall am Kopf noch Übelkeit.

Mögliche kurzfristige Nebenwirkungen sind:

  • Müdigkeit oder Fatigue
  • Husten oder Reizung der Atemwege
  • Schluckbeschwerden, wenn die Speiseröhre im Bestrahlungsfeld liegt
  • Hautrötung oder Hauttrockenheit im bestrahlten Bereich
  • Entzündungsreaktion im Lungengewebe, eine sogenannte Pneumonitis
  • vorübergehende Verschlechterung der Belastbarkeit

Viele Beschwerden bessern sich nach Abschluss der Behandlung wieder. Manche Nebenwirkungen, wie etwa eine Pneumonitis, können aber auch erst Wochen oder Monate später auftreten.

Warnzeichen ernst nehmen

Wichtig ist, neue oder zunehmende Beschwerden früh zu melden. Dazu gehören insbesondere neue Atemnot, stärkerer Husten, Fieber, Brustschmerzen, deutliche Erschöpfung oder Schluckbeschwerden.

Solche Symptome können verschiedene Ursachen haben: eine Strahlenreaktion, eine Infektion, eine Nebenwirkung einer Immuntherapie oder eine Veränderung der Erkrankung. Deshalb sollten sie nicht einfach abgewartet werden.

Auch wenn Sie unsicher sind, ob Beschwerden mit der Bestrahlung zusammenhängen, sollten Sie Ihr Behandlungsteam kontaktieren.

Mögliche langfristige Folgen

Langfristig können im bestrahlten Bereich Vernarbungen entstehen. In der Lunge spricht man von Fibrose. Das kann Hustenreiz oder eine verminderte Belastbarkeit verursachen. Wenn das Herz im Bestrahlungsfeld liegt, wird die mögliche Belastung des Herzens bereits bei der Planung möglichst reduziert.

Das Behandlungsteam erklärt vor Beginn der Therapie, welche Risiken im persönlichen Fall relevant sind und worauf nach der Behandlung geachtet werden sollte.

Fragen, die Betroffene stellen können

  • Welches Ziel hat die Strahlentherapie in meinem Fall: Heilung, Kontrolle oder Linderung?
  • Welche anderen Behandlungen sind Teil meines Gesamtplans?
  • Wird mein Fall im Tumorboard besprochen?
  • Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Strahlentherapie mein Behandlungsziel erreicht?
  • Gibt es Alternativen zur empfohlenen Bestrahlung?
  • Welche Organe liegen nahe am Bestrahlungsfeld?
  • Welche Nebenwirkungen sind bei mir besonders wahrscheinlich?
  • Was soll ich sofort melden?
  • Wie wird nach der Strahlentherapie kontrolliert, ob die Behandlung gewirkt hat?

Ressourcen

Geschrieben von

Geschrieben von

PD Dr. Tobias Finazzi

Geprüft von

PD Dr. Tobias Finazzi

Leitender Arzt Radioonkologie, Kantonsspital Baden

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