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Operation bei Lungenkrebs

Das Ziel der Operation ist es, das Tumorgewebe und die befallenen Lymphknoten vollständig zu entfernen.

Wann kommt eine Operation bei Lungenkrebs infrage?

Für viele Menschen mit Lungenkrebs bietet eine Operation die beste Chance auf eine dauerhafte Heilung. Ob sie möglich und sinnvoll ist, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab und wird heute immer individuell entschieden. Ob eine Operation sinnvoll und sicher möglich ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehört die Art des Lungenkrebses, das Stadium der Erkrankung, die Lage des Tumors, der Zustand der Lymphknoten, die Lungenfunktion, Begleiterkrankungen und der allgemeine Gesundheitszustand.

Vor einer Operation wird die Situation in der Regel in einem interdisziplinären Tumorboard besprochen. Dort beurteilen Fachpersonen aus verschiedenen Bereichen gemeinsam, welcher Behandlungsweg am besten passt. Beteiligt sein können zum Beispiel Thoraxchirurgie, Pneumologie, Onkologie, Radiologie, Pathologie, Radioonkologie und weitere Fachpersonen. Die Entscheidung trifft deshalb nicht eine einzelne Ärztin oder ein einzelner Arzt, sondern ein Team verschiedener Spezialistinnen und Spezialisten.

Nicht-kleinzelliger Lungenkrebs

Beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs kann eine Operation vor allem in frühen Stadien eine zentrale Rolle spielen. Ziel ist es, den Tumor vollständig zu entfernen. Je nach Situation kann die Operation alleine ausreichend sein oder mit weiteren Therapien kombiniert werden.

Heute wird dabei nicht nur beurteilt, ob ein Tumor technisch operiert werden kann. Heute entscheidet nicht mehr allein die Grösse des Tumors über die Behandlung. Ebenso wichtig sind seine biologischen Eigenschaften.. Bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs können Biomarker und molekulare Veränderungen Einfluss darauf haben, welche Therapie vor oder nach der Operation empfohlen wird.

Je nach Stadium und Befund können vor der Operation eine Chemotherapie und Immuntherapie eingesetzt werden. Man spricht dann von einer neoadjuvanten oder perioperativen Behandlung. In anderen Situationen folgt nach der Operation eine zusätzliche Behandlung, zum Beispiel eine Chemotherapie, Immuntherapie oder eine zielgerichtete Therapie. Welche Behandlung sinnvoll ist, wird individuell entschieden.

Kleinzelliger Lungenkrebs

Beim kleinzelligen Lungenkrebs wird nur selten operiert. Diese Krebsart wächst oft schnell und hat sich zum Zeitpunkt der Diagnose häufig bereits über die Lunge hinaus ausgebreitet. Deshalb stehen meistens Chemotherapie, Immuntherapie und Bestrahlung im Vordergrund.

Eine Operation kann nur in sehr frühen und klar begrenzten Stadien geprüft werden. Auch dann braucht es eine sorgfältige Abklärung und eine Besprechung im Tumorboard. Nur sehr wenige Patientinnen und Patienten erfüllen die Voraussetzungen für eine Operation. Nach einer Operation sind beim kleinzelligen Lungenkrebs in der Regel weitere Therapien notwendig.

Welche Untersuchungen erfolgen vor einer Operation?

Vor einer Lungenoperation finden verschiedene Untersuchungen statt. Sie sollen zeigen, wie weit sich die Erkrankung ausgebreitet hat. Manche Untersuchungen dienen der Frage, ob operiert werden kann, andere helfen zu entscheiden, welche Behandlung vor oder nach der Operation sinnvoll ist.

Dazu können gehören:

  • Computertomografie des Brustkorbs und des Oberbauchs
  • PET-CT zur Beurteilung der Ausbreitung der Erkrankung
  • Bronchoskopie und Gewebeentnahme
  • Untersuchung von Lymphknoten, zum Beispiel mit EBUS
  • Lungenfunktionsprüfung
  • Abklärung von Herz und Kreislauf
  • Beurteilung der körperlichen Belastbarkeit
  • molekulare und immunhistochemische Untersuchungen des Tumorgewebes, wenn sie für die Therapieplanung wichtig sind

Diese Untersuchungen können für Betroffene belastend wirken, weil sie Zeit brauchen und viele Termine bedeuten. Sie sind aber wichtig, damit die Behandlung möglichst sicher und passend geplant werden kann.

Welche Operationsarten gibt es?

Bei einer Operation wird nicht immer gleich viel Lungengewebe entfernt. Welche Operation durchgeführt wird, hängt vor allem von der Grösse und Lage des Tumors, vom Stadium und von der Lungenfunktion ab.

Keilresektion

Bei einer Keilresektion wird ein kleiner keilförmiger Teil der Lunge entfernt. Dieses Verfahren kommt vor allem bei sehr kleinen Tumoren oder bei Menschen infrage, bei denen wegen eingeschränkter Lungenfunktion kein grösserer Eingriff möglich ist.

Segmentektomie

Die Lunge besteht aus Lappen und diese wiederum aus Segmenten. Bei einer Segmentektomie wird ein anatomisches Lungensegment entfernt. Bei ausgewählten kleinen, günstig gelegenen Tumoren im frühen Stadium kann eine Segmentektomie eine gute Alternative zur Entfernung eines ganzen Lungenlappens sein. Wichtig ist dabei eine sorgfältige Auswahl der Patientinnen und Patienten sowie eine genaue Beurteilung der Lymphknoten.

Lobektomie

Bei einer Lobektomie wird ein ganzer Lungenlappen entfernt. Sie ist bei vielen operablen Lungenkrebsfällen weiterhin ein häufig angewendetes Standardverfahren. Ziel ist eine vollständige Entfernung des Tumors mit ausreichendem Sicherheitsabstand. Sie gilt weiterhin als Standardoperation für viele Patientinnen und Patienten mit frühem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs.

Bilobektomie

Auf der rechten Seite besteht die Lunge aus drei Lappen. Bei einer Bilobektomie werden zwei dieser Lappen entfernt. Dieses Verfahren kann notwendig sein, wenn die Lage oder Ausdehnung des Tumors dies erfordert.

Pneumonektomie

Bei einer Pneumonektomie wird ein ganzer Lungenflügel entfernt. Dieser Eingriff wird heute möglichst vermieden, wenn eine schonendere Operation ausreichend ist. Manchmal ist er aber notwendig, wenn der Tumor anders nicht vollständig entfernt werden kann. Vor einer Pneumonektomie wird besonders sorgfältig geprüft, ob Herz, Kreislauf und verbleibende Lunge die Belastung tragen können.

Lymphknotenentfernung

Bei einer Operation werden in der Regel auch Lymphknoten entfernt oder untersucht. Das ist wichtig, um das genaue Stadium festzulegen und die weitere Behandlung zu planen. Wenn sich Krebszellen in Lymphknoten finden, kann dies Einfluss darauf haben, ob nach der Operation eine zusätzliche Therapie empfohlen wird.

Wie wird operiert?

Lungenoperationen können auf unterschiedliche Weise durchgeführt werden. Welche Methode geeignet ist, hängt von der Lage des Tumors, der geplanten Operation, der Erfahrung des Zentrums und der individuellen Situation ab.

Thorakotomie

Bei einer Thorakotomie wird der Brustkorb über einen grösseren Schnitt eröffnet. Dieses Verfahren kann notwendig sein, wenn der Tumor schwierig liegt, sehr gross ist oder wenn eine komplexe Operation geplant ist.

VATS und uVATS

VATS bedeutet videoassistierte Thoraxchirurgie. Dabei wird mit einer Kamera und speziellen Instrumenten über kleinere Zugänge operiert. Bei uVATS erfolgt der Eingriff über einen einzigen kleinen Zugang. Solche minimal-invasiven Verfahren können mit weniger Schmerzen, kürzerem Spitalaufenthalt und schnellerer Erholung verbunden sein, wenn sie für die jeweilige Situation geeignet sind. Nicht jedes minimal-invasive Verfahren ist automatisch besser. Entscheidend ist, dass der Tumor vollständig und sicher entfernt werden kann.

RATS

RATS bedeutet robotisch assistierte Thoraxchirurgie. Auch hier wird minimal-invasiv operiert. Der Operateur oder die Operateurin steuert die Instrumente über ein robotisches System. Diese Technik kann bei bestimmten Eingriffen Vorteile bieten, ersetzt aber nicht die sorgfältige individuelle Entscheidung, welches Verfahren am besten geeignet ist.

Was bedeutet vollständige Entfernung des Tumors?

Das Ziel einer Operation ist eine vollständige Tumorentfernung. Ärztinnen und Ärzte sprechen dabei von einer R0-Resektion. Das bedeutet, dass am Rand des entfernten Gewebes mikroskopisch keine Tumorzellen nachweisbar sind. Ob dieses Ziel erreicht wurde, wird durch die pathologische Untersuchung des entfernten Gewebes beurteilt. Eine R0-Resektion gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine möglichst gute Heilungschance.

Die endgültige Untersuchung nach der Operation kann neue Informationen liefern. Manchmal zeigt sich dabei, dass der Tumor grösser war als angenommen oder dass Lymphknoten befallen sind. Deshalb kann sich die Empfehlung für die weitere Behandlung nach der Operation noch ändern.

Therapien vor oder nach der Operation

Die Operation ist heute oft Teil eines grösseren Behandlungskonzepts. Je nach Befund kann eine zusätzliche Therapie vor oder nach der Operation empfohlen werden.

Vor der Operation kann eine Behandlung eingesetzt werden, um den Tumor zu verkleinern oder das Risiko für ein Wiederauftreten zu senken. Dies kann zum Beispiel eine Kombination aus Chemotherapie und Immuntherapie sein. Nach der Operation kann eine zusätzliche Therapie empfohlen werden, wenn ein erhöhtes Rückfallrisiko besteht oder bestimmte Biomarker vorliegen.

Bei einzelnen molekularen Veränderungen, zum Beispiel bei bestimmten EGFR-Mutationen, können nach vollständiger Entfernung des Tumors zielgerichtete Therapien eine Rolle spielen. Auch Immuntherapien können in bestimmten Situationen nach der Operation eingesetzt werden. Welche Therapie geeignet ist, hängt vom Tumorstadium, vom Biomarkerstatus, von der bisherigen Behandlung und vom allgemeinen Gesundheitszustand ab.

Wichtig ist: Nicht jede Patientin und jeder Patient braucht zusätzliche Therapien. Die Entscheidung wird individuell getroffen und sollte verständlich erklärt werden.

Erholung nach der Operation

Nach einer Lungenoperation braucht der Körper Zeit zur Erholung. Viele Betroffene erleben in den ersten Tagen Schmerzen, Müdigkeit, Hustenreiz oder Atemnot bei Belastung. Häufig wird nach der Operation eine Drainage eingelegt, damit Luft und Flüssigkeit aus dem Brustraum abfliessen können. Diese wird entfernt, sobald sie nicht mehr benötigt wird.

Atemtherapie und frühe Mobilisation sind nach der Operation sehr wichtig. Sie helfen, die Lunge wieder gut zu belüften, Komplikationen zu vermeiden und Schritt für Schritt belastbarer zu werden. Je nach Situation kann eine Rehabilitation sinnvoll sein.

Die meisten Menschen können sich nach einer Lungenoperation schrittweise wieder an körperliche Belastungen gewöhnen. Wie gut dies gelingt, hängt unter anderem von der ursprünglichen Lungenfunktion, dem Ausmass der Operation und regelmässiger Bewegung ab. Wie schnell jemand wieder in den Alltag zurückfindet, ist sehr unterschiedlich. Entscheidend sind unter anderem das Ausmass der Operation, die Lungenfunktion vor der Operation, das Alter, Begleiterkrankungen und mögliche weitere Therapien.

Wann sollte man sich nach der Operation melden?

Nach der Entlassung aus dem Spital sollten Betroffene wissen, bei welchen Beschwerden sie medizinischen Kontakt aufnehmen sollen. Dazu gehören zum Beispiel zunehmende Atemnot, Fieber, starke Schmerzen, eine gerötete oder nässende Wunde, anhaltender Husten mit Blut, Schwindel oder eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands.

Bei Unsicherheit ist es immer besser, frühzeitig nachzufragen. Das Behandlungsteam kann erklären, welche Beschwerden nach einer Operation erwartet werden können und welche Zeichen abgeklärt werden sollten.

Nachsorge

Nach der Operation folgen regelmässige Nachsorgeuntersuchungen. Sie dienen dazu, die Erholung zu begleiten, mögliche Komplikationen zu erkennen und ein Wiederauftreten der Erkrankung möglichst früh zu entdecken. Häufig gehören körperliche Untersuchungen, Gespräche über Beschwerden und bildgebende Kontrollen dazu.

Auch Fragen zur Belastbarkeit, Arbeit, Familie, Bewegung, Ernährung, psychischer Belastung und Rehabilitation haben in der Nachsorge Platz. Viele Betroffene erleben die Zeit nach Abschluss der Behandlung als emotional besonders herausfordernd. Auch darüber darf und sollte in der Nachsorge gesprochen werden.Eine Lungenkrebsoperation betrifft nicht nur ein Organ, sondern oft den ganzen Alltag.

Fragen, die Betroffene vor einer Operation stellen können

  • Warum wird in meiner Situation eine Operation empfohlen?
  • Welche Art von Operation ist geplant und warum?
  • Wie viel Lungengewebe muss entfernt werden?
  • Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor vollständig entfernt werden kann?
  • Werden meine Bilder und Befunde im Tumorboard besprochen?
  • Wurden die Lymphknoten ausreichend abgeklärt?
  • Wurde mein Tumor auf relevante Biomarker untersucht?
  • Brauche ich vor oder nach der Operation eine zusätzliche Therapie?
  • Welche Risiken bestehen bei mir persönlich?
  • Wie wird meine Lungenfunktion nach der Operation voraussichtlich sein?
  • Wie lange bleibe ich ungefähr im Spital?
  • Ist eine Rehabilitation sinnvoll?
  • Wie sieht meine Nachsorge aus?

Eine Operation ist heute oft nicht mehr ein einzelner Eingriff, sondern Teil eines individuell geplanten Behandlungskonzepts. Dank moderner Chirurgie, präziser Diagnostik und wirksamer Medikamente können heute viele Menschen mit frühem Lungenkrebs erfolgreicher behandelt werden als noch vor wenigen Jahren.

Ressourcen

Geschrieben von

Geschrieben von

PD Dr. med. Patrick Dorn

Geprüft von

PD Dr. med. Patrick Dorn

Chefarzt Tumorzentrum Inselspital Bern

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